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Laid-Back Camp | Anime Review

  • Autorenbild: Strohhut
    Strohhut
  • 18. Jan. 2021
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. März 2021

Ein Fest für Introvertierte

(Achtung: Enthält Minor-Spoiler!)


Nun darf ich hier meinen allerersten Blogeintrag zu einem Anime auf unserer neuen Seite „die Bento Box“ schreiben und dass ich mich ausgerechnet für eine Review zu Laid-Back Camp (Orig.: Yuru Camp) entschieden habe, hat selbst mich ein wenig überrascht. Ich mochte den Anime sehr gerne und habe mich beim Gucken sehr gut unterhalten gefühlt, keine Frage, aber hätte man mich vorher gefragt, hätte ich wahrscheinlich darauf getippt, dass ich mich für einen meiner absoluten Top 5 Anime wie „One Piece“ oder „A place further than the universe“ entscheide.

Der Grund weshalb es nun „Yuru Camp“ geworden ist, liegt nicht nur darin, dass auch dieser Anime sich auf meiner Topliste immer weiter nach oben schleicht, sondern vor allem an einer Eigenschaft, die man einem Anime, den man auf den ersten Blick in die „Cute girls doing cute things“ Schublade stecken würde, absolut nicht zutraut: Er feiert das alleine sein.

Worum geht es in Yuru Camp? Die Schülerin Rin Shima liebt es zu campen. Aber nicht etwa mit ihren Freundinnen auf Sommer-Abenteuer-Urlaubsreise. Sie liebt es einfach am Wochenende etwas raus zu kommen und die Ruhe und die Natur zu genießen. Eines Tages trifft sie auf so einem Ausflug die kürzlich hergezogene Nadeshiko Kagamihara. Begeistert von der Selbstständigkeit und dem Freiheitsgefühl, welches sie bei Rin erlebt hat, möchte sich auch Nadeshiko mehr mit dem Camping auseinandersetzen und tritt an ihrer neuen Schule einem Camping-Club bei, der von den beiden Camping-Fans Aoi Inuyama und Chiaki Ōgaki geführt wird. Natürlich ohne dabei zu ahnen, dass Rin auch auf diese Schule geht.

Man kann sich denken wohin das führt, oder? Nadeshiko überredet Rin dem Club ebenfalls beizutreten und Rin merkt, dass das Camping mit den anderen viel schöner ist, als immer nur alleine zu sein und gemeinsam erleben sie viele schöne Camping-Abenteuer. Aber genau das passiert nicht. Und genau das liebe ich an diesem Anime.


Ich selbst bin auch ein ziemlich introvertierter Typ. Das heißt nicht, dass ich die Zeit mit Freunden und Familie nicht schätze, ganz im Gegenteil. Ohne diese Menschen in meinem Leben würde es mir ziemlich beschissen gehen, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber trotzdem brauche und liebe ich auch die Zeit, in der ich für mich alleine sein kann. Ich kann meine Gedanken neu ordnen, den geistigen Akku wieder aufladen und einfach wieder richtig runter kommen und entspannen. Ich liebe es auch alleine spazieren oder ins Kino zu gehen, mir tut das gut. Und ich weiß, dass es nicht allen, aber doch einigen Menschen wie mir geht und ich fand es bisher immer wahnsinnig schade, dass dem Alleinsein gesellschaftlich, aber auch in Anime, immer so etwas anrüchiges innewohnt. Wer alleine ist, ist traurig, wer alleine ist, ist verbittert, wer alleine ist, ist ein Außenseiter und so weiter. Und auch die meisten Anime gehen in diese Richtung, dass sie unbedingt hervorheben müssen, wie viel schöner alles ist, wenn man es gemeinsam mit seinen Freund*innen oder Kamerad*innen macht. Nicht so Yuru Camp.

Es ist glaube ich Folge 3 oder Folge 4, ich weiß es nicht mehr genau. Während Rin sich auf den Weg zu einem weiteren Solo-Trip macht, ist Nadeshiko mit den anderen beiden vom Club unterwegs zu einem Campingplatz. Gegenseitig schicken sich die beiden regelmäßig Fotos hin und her von den Orten, die sie gerade besuchen, und man hat, einfach weil man es so gewohnt ist, ständig das Gefühl, dass sich bald die große Traurigkeit in Rin breit macht, die Gedanken wie viel schöner es doch wäre jetzt mit den anderen unterwegs zu sein. Doch es passiert nicht. Und am Ende stehen zwei völlig unterschiedliche, aber doch jeweils wunderschöne Camping-Ausflüge zu Buche. Natürlich wird es auch, wie man in den ersten paar Sekunden von Episode 1 bereits sieht, Gruppenaktivitäten geben, bei denen Rin dabei ist. Was ja auch verständlich sind. Auch Introvertierte mögen und brauchen Menschen, halt nur nicht ganz so oft. Aber die Art und Weise wie positiv das Alleinsein dargestellt wird, ist schon sehr bemerkenswert und etwas, dass ich so bisher so bisher noch in keinem Anime gesehen habe.


Überhaupt versteht es der Anime sehr gut mit den Erwartungen der Zuschauer*innen zu spielen und die Story immer wieder in eine andere Richtung abdriften zu lassen und trotz der süßen Optik, Klischees wo es geht zu vermeiden. So achten die Verantwortlichen, wie ich in einem Interview gelesen habe, zB. sehr genau darauf, dass die Mädchen sich nicht gegenseitig als „kawaii!“ bezeichnen, um dem „Cute Girls doing cute things“-Stereotyp etwas entgegen zu wirken.

Dass man zusätzlich auch noch wunderschöne Bilder und Animationen geliefert bekommt, sowie außerdem eine Menge über das Camping in Japan (aber auch hier) lernt, setzt dem Ganzen nur noch die Krone auf.

Ich versuche ja hohe Bewertungen nicht allzu inflationär zu vergeben, aber Yuru Camp macht einfach so wahnsinnig viel richtig und so wenig falsch, dass ich nicht anders kann. Wer Slice of Life und originelle Geschichten mag oder einfach gerne mal eine kleine Auszeit von der täglichen Shōnen-Action sucht und ein wenig runterkommen und entspannen möchte, dem sei diese Serie wirklich wärmstens ans Herz gelegt.


9 von 10 Punkten.


Hinweis: Season 1 wird im Originalton mit Untertiteln über den Streaming-Anbieter crunchyroll.de ausgestrahlt. Season 2 läuft seit dem 07. Januar 2021 im Simulcast, ebenfalls auf crunchyroll.de

2 Kommentare


Strohhut
Strohhut
30. Jan. 2021

Hey Aleksej, vielen Dank, freut mich sehr, dass dir das Review gefallen hat und dass du dir den Anime auch ansehen willst, schreib doch gerne mal wenn du ihn gesehen hast wie du ihn findest! :)

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Aleksej Morozjuk
Aleksej Morozjuk
25. Jan. 2021

Coole Review, habe den Anime tatsächlich noch nicht gesehen. Ich denke mal ich schaue mir den an. Bitte macht weiter so!

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